🎥 Wie viel Speicher brauchen IP-Kameras wirklich?
Wer bei vier Kameras und 30 Tagen Aufbewahrung die Herstellerrechner befragt, bekommt verblüffend unterschiedliche Antworten. In einem dokumentierten Fall lieferten vier Rechner für identische Parameter 1,69 TB, 5,80 TB, 8,01 TB und 22,95 TB — Faktor 13 Unterschied. Der Grund ist immer derselbe: Die Rechner setzen Annahmen über Bitrate, Codec und Bewegung, die sie nicht offenlegen.
Die Formel, die dahintersteckt
Speicher pro Kamera und Tag = Bitrate × 86400 ÷ 8 ÷ 1000 (Bitrate in Mbit/s, Ergebnis in Gigabyte). Alles andere ist Multiplikation: mal Anzahl Kameras, mal Aufbewahrungstage, mal Aufnahmeanteil, plus ein kleiner Zuschlag für Dateisystem und Container.
Beispiel: Acht Kameras mit 3 Mbit/s und 5 % Overhead ergeben 272 GB pro Tag. Für 30 Tage sind das 8,16 TB (dezimal) beziehungsweise 7,43 TiB. Wer nur bei Bewegung aufnimmt und dafür 40 % der Zeit ansetzt, landet bei 3,26 TB — deshalb ist der Aufnahmeanteil der zweitwichtigste Wert nach der Bitrate.
Vier Annahmen, die die Rechnung kippen
- Bitrate aus dem Datenblatt statt vom Stream: Hersteller nennen Bestwerte bei idealem Licht und wenig Bewegung. Die tatsächliche Bitrate liest man am NVR ab — die Differenz beträgt schnell 30 bis 50 Prozent.
- Codec vergessen: H.265 halbiert bei gleicher Bildqualität annähernd die Bitrate. Wer H.265-fähige Kameras kauft und sie mit H.264 betreibt, verschenkt den halben Speicher.
- Bewegungsmodus überschätzt: „Nur bei Bewegung" heißt nicht „nur 5 Prozent der Zeit". In einer belebten Einfahrt oder mit Bäumen im Bild laufen Kameras leicht 40 bis 70 Prozent der Zeit.
- TB mit TiB verwechseln: Eine „4-TB"-Platte liefert 3,64 TiB. Wer den Bedarf in TB rechnet und TiB kauft, plant 10 Prozent zu knapp.
Wofür du den Rechner brauchst
Du planst eine Videoüberwachung — fürs Haus, fürs Büro oder für ein Schulgelände — und willst wissen, welche Platten in den NVR gehören. Oder du erbst eine bestehende Anlage und fragst dich, warum die Festplatte nach zwei Wochen voll ist, obwohl der Herstellerrechner drei Monate versprochen hat. Diesen Rechner nutzt du am besten in zwei Durchgängen: erst mit den Werten aus den Datenblättern für die Grobplanung, dann mit der tatsächlich gemessenen Bitrate aus dem NVR-Interface für die Endabnahme.
So benutzt du den Rechner
Trag die Anzahl der Kameras ein und wähle Auflösung und Codec — der Rechner schlägt dazu eine marktübliche Bitrate vor.
Überschreib die Bitrate mit dem Wert, den deine Kamera wirklich liefert. Im NVR-Interface steht sie pro Kanal, notfalls hilft ein Blick in den Stream.
Stell Aufbewahrungsdauer und Aufnahmeanteil ein: 100 Prozent für Daueraufnahme, 20 bis 50 Prozent für bewegungsgesteuerte Aufnahme in ruhiger Umgebung.
Wähle unten die Plattengröße und die Ausführung. Gespiegelte Systeme brauchen die doppelte Plattenspanne — der Rechner zeigt beide Fälle getrennt.
Praxisbeispiel: vier Kameras, 30 Tage
Vier 4-MP-Kameras mit 3 Mbit/s, Daueraufnahme, 30 Tage, 5 Prozent Overhead: 136 GB am Tag, knapp 4,1 TB insgesamt. Mit H.265 statt H.264 halbiert sich der Wert auf 2,04 TB — genau deshalb steht der Codec oben im Formular und nicht im Kleingedruckten. Für die Plattenplanung heißt das: einfache Ausführung mit 8-TB-Platte reicht, gespiegelt braucht es zwei. Wer zusätzlich die Netzlast prüfen will, sieht oben die Summe der Live-Bitraten — zwölf Megabit pro Sekunde sind für ein Gigabit-Netz unkritisch.
Häufige Fragen
Welche Bitrate soll ich ansetzen?
Als Startwert: 2 MP mit H.265 rund 2 Mbit/s, 4 MP rund 3 Mbit/s, 8 MP rund 5 Mbit/s — jeweils das Doppelte für H.264. Verbindlich ist aber nur die gemessene Bitrate deiner Kamera in der eingestellten Szene.
Warum unterscheiden sich die Herstellerrechner so stark?
Weil sie unterschiedliche Annahmen über Bitrate, Bewegung und Overhead treffen und diese selten offenlegen. Dieser Rechner zeigt die Formel mit eingesetzten Zahlen an — damit ist jede Abweichung erklärbar statt mysteriös.
Zählt der Rechner auch Audio und Metadaten?
Audio fällt bei den üblichen Bitraten kaum ins Gewicht (64 bis 128 kbit/s pro Kanal) und steckt im Overhead. Wer Audio aufzeichnet, erhöht den Overhead-Anteil auf 8 bis 10 Prozent.
Reicht eine einzelne Platte?
Technisch ja, praktisch selten klug: Fällt die Platte aus, sind alle Aufzeichnungen weg. Für Anlagen, deren Aufnahmen im Zweifel Beweiswert haben, ist die gespiegelte Ausführung die günstigere Versicherung — sie kostet genau die doppelte Plattenspanne.
Wie plane ich die Bandbreite?
Rechne die Summe der Bitraten aller Kanäle plus Reserve für Clients und Fernzugriff. Acht Kameras mit je 3 Mbit/s bedeuten 24 Mbit/s Dauerlast — im Gigabit-Netz unkritisch, über WLAN oder VPN aber ein Engpass.
Quellen & Weiterlesen
Die Formel folgt der üblichen Speicherrechnung (Bitrate × Zeit), Bitraten-Richtwerte entsprechen gängiger Praxis für H.264 und H.265. Die Anekdote der widersprüchlichen Herstellerrechner stammt aus einer Diskussion in r/selfhosted bzw. r/homelab (Thread „Trying to determine storage needed for security cameras", 2025). Weiter im Portfolio: IOPS-Rechner, Kapazitäts-Umrechner, RAID-Rechner, Stromkosten-Rechner.
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